
„Ich möchte Menschen, die all dieses Leid nicht wollen, ermutigen, nicht zu resignieren und sich ohnmächtig zu fühlen, sondern ihre Vorstellungskräfte und Handlungsvermögen einzusetzen, um sich solidarisch zu erklären und zu verhalten, solange wir selbst noch autonome Kräfte in uns spüren. – Das ist das Eigentliche, was ich mit TZI möchte.“
Zeitleiste
Ruth Cohn – Ihr Leben

Nachlass: Ruth C. Cohn (1912-2010) Leben und Wirken einer couragierten Frau
Vom 20.-22.10.2022 hat das Internationale Symposium „Ruth C. Cohn (1912-2010) Leben und Wirken einer couragierten Frau“ anlässlich der Öffnung ihres Nachlasses an der Humboldt Universität in Berlin stattgefunden.
Hier gibt es mehr Bilder, Informationen und einen Film zur Eröffnung des Archivs in Berlin: Symposium 2022.
Enthüllung einer Gedenktafel für Ruth Cohn
Am Montag, den 27. August 2012, wurde in der Mommsenstrasse 55 (Berlin-Charlottenburg) eine Berliner Gedenktafel für Ruth Cohn enthüllt. Ruth Cohn lebte bis 1933 in diesem Haus. Sie wäre am Tag der Gedenktafelenthüllung 100 Jahre alt geworden.
Die Laudatio von Hansfried Nickel anläßlich der Gedenktafelenthüllung gibt Einblick in das Leben von Ruth Cohn. Die Laudatio ist hier als PDF erhältlich.
Ruth C. Cohn verstarb am 30. Januar 2010. Sie wurde auf dem Waldfriedhof Langenfeld (Rheinland), Kapeller Weg beigesetzt.
Wegbeschreibung zur Grabstätte
Vom Parkplatz aus bitte den Eingang nehmen und dem asphaltierten Hauptweg geradeaus folgen; in den zweiten Nebenweg (vor den Urnenwänden) rechts hineingehen; nach circa 30 Metern auf der rechten Seite befindet sich die Grabstätte von Ruth C. Cohn.
Das Interview
Aus Anlass des 80. Geburtstags von Ruth Cohn am 27.8.1992 hat Horst Heidbrink am 21. Juli 1992 für die Zeitschrift “Gruppendynamik” ein Gespräch mit ihr geführt. Er hat es nach Absprache mit ihr gekürzt.
Wir bieten es hier zum Herunterladen an.
aus: Gruppendynamik, 23. Jahrg., Heft 3, 1992, S. 315-325.
Von Ruth Cohn
Hier haben wir Zitate aus Schriften von Ruth Cohn zusammengestellt in der Hoffnung, dass sie neugierig auf mehr machen.

Das Anliegen der TZI
Ich möchte Menschen, die all dieses Leid nicht wollen, ermutigen, nicht zu resignieren und sich ohnmächtig zu fühlen, sondern ihre Vorstellungskräfte und Handlungsvermögen einzusetzen, um sich solidarisch zu erklären und zu verhalten, solange wir selbst noch autonome Kräfte in uns spüren. – Das ist das Eigentliche, was ich mit TZI möchte.
TZI stellt einen zeitgenössischen Ansatz dar, die unpersönliche Welt der Massenerziehung und Massenkommunikation zu personalisieren. Sie strebt danach, dem einzelnen zu helfen, seine sinnliche Wahrnehmung, sein Fühlen und Denken zur Entfaltung zu bringen, und auch in Arbeitsbeziehungen Menschen nicht zu verdinglichen. Auch sachliche Aufgaben können und sollten nicht als menschlich sinnlos erlebt werden müssen.
TZI in der Schule
Themenzentrierte Interaktionsgruppen für Lehrer – das ist eine Art zu lehren, wie man unterrichten kann, so dass man die Kinder als ganze Personen sieht, und nicht nur als Notenfabrikanten. Und die Lehrerinnen und Lehrer können sich auch als Menschen fühlen, die mit vielen Kindern zusammen sind und noch mehr wollen als nur einen Stoff lehren.
Du kannst keine Schulstunde halten, ohne ein bißchen gegen die Institution zu verstoßen.
Verschiedenes
Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht ohnmächtig, ich bin partiell mächtig.
Ich erlebe, dass ich umso autonomer bin, je mehr ich mir unserer Interdependenz bewusst werde, und um so gemeinschaftlicher, je mehr ich meine Eigenart pflege.
Alles, was gesagt wird, soll echt sein; nicht alles was echt ist, soll gesagt werden.
Realität ist Autorität; dies zu verkennen und Menschen methodisch als Behandlungs-„Objekte” einzustufen, hat unrealistische, daher pathogene Züge
‚Ich will’ ist die bewusste, integrierte Antwort auf ‚Ich möchte, muss, sollte und soll.
Ich glaube, daß Kinder und Erwachsene ‘etwas leisten’ wollen. Ich glaube, daß das Wort ‘Leistungsdruck’ aufkam, nicht weil Leistung an sich gehaßt wird, sondern fremd‑verlangte Leistung
Mein Lieblingsthema ist: Was mache ich mit mir, wenn der andere nicht so ist, wie ich ihn haben möchte?
Ich sage nur gern ‚Sie’ zu jemand, der mir verspricht, dass er von nun an zu allen Kindern auch ‚Sie’ sagen wird.
… ich muß, um mich selbst zu verwirklichen, ja immer auch mit anderen in Beziehung sein
Ich glaube, man kann keinen Menschen je überzeugen. Man kann nur die eigene Meinung immer wieder aussprechen und Situationen schaffen, in denen diese Meinung gehört wird und man selbst authentisch seinen eigenen Werten gemäß lebt. Was der andre mit dieser Meinung macht, steht nicht in meiner Macht. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß, wenn ich mit den sogenannten Ausbeutern spreche, sie die gleichen Ängste und die gleichen Sorgen haben wie alle anderen Menschen auch. Ich denke sehr oft ‑ … ‑ , wenn sie nur wüßten, wie sie aus ihren Ängsten herauskämen, würden sie es sofort tun….
Werte
Ein Gewissen, das nicht ganzheitlich gestützt wird, ist nicht tragfähig. Sinnlichkeit und Sinn sind nicht nur sprachlich, sondern auch erlebnismäßig nahe verwandt. Sie sind körperlich verwurzelt und sind mehr als körperlich. … Ich glaube, daß in gleicher Weise auch unser ethischer Sinn organismisch verwurzelt ist.
Ich glaube, dass Selbsteinschätzung, Selbstgefühl, ein Gefühl für einen selbst und ein Gefühl für andere zu haben, gelernt werden muss wie jeder Beruf.
Zu wenig geben ist Diebstahl, zu viel geben ist Mord!
Eine Gruppe wird nicht dadurch gestärkt, daß Personen ihre Individualität aufgeben, sondern dadurch, daß diese sich in der jeweiligen Gemeinschaft aktualisieren. Jeder Mensch verwirklicht sich in der Beziehung zu den anderen und in der Zuwendung zur Aufgabe.
Gesetze, die das Recht schänden, müssen gebrochen werden.
Ich kümmere mich um meine Angelegenheit, ich bin ich; Du kümmerst Dich um Deine, Du bist Du. Die Welt ist unsere Aufgabe; sie entspricht nicht unseren Erwartungen. Doch wenn wir uns um sie kümmern, wird sie sehr schön sein, wenn nicht, wird sie nicht sein.
Zu wissen, daß ich zähle, zu wissen, daß du zählst. Zu wissen, daß jeder Mensch zählt, ob schwarz, weiß, rot, gelb oder braun. Die Erde zählt. Das Universum zählt. Mein Leid zählt. Dein Leid zählt.
Es geht ganz klar um eine Umwertung der Werte. Wenn ich als höchstes Ziel setze, dass meine Organisation nur den größten Profit macht, dann sind menschliche Werte Humanitätsduselei.
Die Frage von Werten und Zielen muss immer der Frage nach der Methode vorausgehen. Die Frage der Effizienz kann nur beantwortet werden, wenn ich voraussetze, für was ich effizient sein will. Die ‚Effizienz der Gaskammern’ bleibt ja unbestritten. Ich halte die Frage nach der Effizienz des Profitmachens nur dann für sinnvoll, wenn wir uns klar machen, welche Werte wir mit Profit verbinden.





